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Die Geschichte der Wesermarsch

Zu den ersten Siedlungsspuren in der Wesermarsch zählen Beile bzw. Äxte aus der mittleren und jüngeren Steinzeit (8500 bis 2000 vor Christi Geburt). Im Watt vor Fedderwarden wurde ein Keramikgefäß aus der Trichterbecherkultur (4300 bis 3300 v. Chr.) gefunden, das heute im Museum Nordenham zu sehen ist.

Getreideernte früher in der Wesermarsch

Die älteste Siedlung stammt jedoch aus der Bronzezeit um 900 v. Chr. Deren Überreste wurden Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Hahnenknoop bei Rodenkirchen gefunden. Inzwischen wurde ein Haus ausgegraben, rekonstruiert und 2005 in unmittelbarer Nähe des ursprünglichen Siedlungsplatzes nachgebaut. Es gibt eine Vorstellung vom Leben der ersten Bauern in der Marsch vor etwa 3000 Jahren. Bohlenwege von der Marsch durch das Moor zur Geest wurden in Moorriem und in Stedingen gefunden.

Die erste Siedlung eines germanischen Volksstammes – der Chauken – aus der Zeit um 100 v. Chr. fand man in Einswarden. Die Chauken begannen mit dem Bau von Wurten, um sich vor Überschwemmungen der Nordsee und der Unterweser zu schützen. Der Römer Plinius der Ältere (29 bis 78 n. Chr.) berichtete von ihrem Leben. Während der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert verließen die Chauken das Land und zogen mit den Angelsachsen nach England.

Ab etwa 650 besiedelten die Friesen die Wesermarsch. Sie kamen über die Nordsee aus den heutigen Niederlanden. Die Christianisierung der Friesen begann mit Willehad, dem Bischoff von Bremen, der 789 in Blexen starb. Dort wurde die erste Holzkirche 814 gebaut.

Um 1000 begannen die Friesen mit dem Bau von Ringdeichen um einzelne Dörfer und etwa 200 Jahre später mit dem Bau von Seedeichen. Der letzte Abschnitt, genannt der „Moordeich", wurde erst 1725 fertig gestellt. Das „Schwimmende Moor" im Jadebusen und die Ortschaft „Sehestedt" am Deich entstanden zur Erinnerung an den damaligen dänischen Admiral „Sehestedt".

In der heutigen Wesermarsch bildeten sich im 12./13. Jahrhundert 3 Bauernrepubliken: Stedingen, Stadland und Butjadingen. Sie gaben sich Konsulatsverfassungen. Es wurden Consules bzw. Redjeves gewählt, die Gericht hielten und über Recht und Ordnung wachten.

Der Raum Jade gehörte von Beginn an zur Grafschaft Oldenburg.Bereits im Mai 1234 wurden in der Schlacht bei Altenesch die Stedinger besiegt und in die Grafschaft Oldenburg eingegliedert.
In Langwarden erinnert der alte Kirchhof an die Schlacht, in der die Friesen ihre Freiheit verloren

Durch schwere Sturmfluten 1334 und 1362 wurden Butjadingen und das Stadland zu Inseln, die danach nur mit Schiffen zu erreichen waren. Im Januar 1514 verloren die Stadlander und die Butjadinger an der Hartwarder Landwehr bei Rodenkirchen ihre Freiheit. Nach der verlorenen Schlacht versammelten sich die letzten Kämpfer bei Langwarden. Dort wurden sie von einem großen Ritterheer endgültig geschlagen. Der Friesenhügel - ein Massengrab - ist als Mahnmal erhalten.
Burg zu Ovelgönne

Die gesamte Wesermarsch wurde in den nächsten Jahren der Grafschaft Oldenburg angeschlossen und von der Burg Ovelgönne aus regiert. 1530 führte der Graf von Oldenburg die Reformation ein. Alle Klöster und deren Besitz in der Wesermarsch gingen dadurch in den Besitz des Grafen über.

Die großen Einbrüche wie Heete, Lockfleth und Friesische Balge wurden eingedeicht in Fronarbeit durch die Bevölkerung. Erst Graf Anton Günther (1603 bis 1667) gab den Menschen einige Freiheiten zurück, erließ eine neue Deichordnung und setzte alte Rechte wieder in Kraft. Das alte Deichrecht „Wer nich will dieken, de möt wieken“, im Asegabuch um 1300 aufgeschrieben, galt nun für ganz Friesland. Der Graf verhalf außerdem der Vieh- und Pferdezucht zur Blüte. Es entstanden große Gestüte in Havendorf, Ovelgönne und Jader Vorwerk.
Ausschnitt des Altars der St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen

Oldenburg blieb im 30jährigen Krieg neutral. Die Bauern konnten in Frieden ihre Höfe bewirtschaften. Mit Schifffahrt und Handel wurde Geld verdient. Dadurch konnten wohlhabende Bürger heute berühmte Münstermann Werke in den Kirchen der Wesermarsch stiften. Die Grabstellen und Keller auf den Friedhöfen und die Barockorgeln von Europas berühmtesten Orgelbauer, Arp Schnittger aus Schmalenfleth, sind Zeugnisse von Menschen in der Wesermarsch mit viel Liebe zur Kunst. Weil Graf Anton Günther keinen direkten Erben hinterließ, wurde Oldenburg mit der Wesermarsch bei seinem Tod im Jahr 1667 eine dänische Provinz. Sie blieb es bis 1772.

Durch Vermittlung der russischen Zarin Katharina der Großen wurde Friedrich August von Gottorp-Eutin Herzog von Oldenburg. Während der französischen Besetzung Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Herzogtum Oldenburg französisches Department Wesermündung, damit war Kaiser Napoleon gleichzeitig Bischoff von Oldenburg.

Mit der Seeblockade gegen die Engländer 1806 blühte in der Wesermarsch der Schmuggel. Die vielen Sielhäfen waren schon im Mittelalter ideal für Seeräuber und jetzt für die Schmuggler. Regulärer Handel und auch Schifffahrt liefen bereits zur Zeit der Hanse bis in die Neuzeit parallel zu Seeräubertum  (Liekedeeler) und Schmugglern, - auch ein Kapitel Wesermarschgeschichte.
Herrschaftlicher Landsitz von 1890 in Elsfleth

Russische Truppen befreiten 1813 die Wesermarsch von der französischen Besatzung. Oldenburg wurde deutsches Großherzogtum. Danach kam der wirtschaftliche Aufschwung. Elsfleth und Brake wurden 1856 Stadt. Vom Ochsenpier in der Gemeinde Atens wurde Nordenham zur Zukunftsecke des Großherzogtums. Straßenbau, Eisenbahn, eine verbesserte Entwässerung und Bewässerung brachten Wohlstand in der Wesermarsch. Ochsen, Pferde und Zuchtvieh waren die Exportschlager. Tossens in Butjadingen wurde Nordseebad. Für eine ländliche Region selten: die vielen, noch heute existierenden Höfe in den Dörfern und Bauten in den Städten im Stil des Historismus sind Zeugen von Kunstverständnis und Wohlstand in der Wesermarsch.

Die Wesermarsch heute sollte man selber erleben – entdecken und lieben lernen.


Verfasser: Gerold Bartels


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